Der Boden der Tatsachen

HeaderEs ist immer eine Frage des Blickwinkels – Dieses Semester liegt das Augenmerk auf dem Boden, auf dem Boden der Tatsachen. Über die Schnitzeljagd um den Kapitänsweg, bis zur Kaugummi-Standortkartierung in Odense: Städte aus einem anderen Blickwinkel betrachten und mit einer anderen Herangehensweise erforschen steht im Mittelpunkt. Welchen Informationsgehalt kann uns der Boden liefern, wo wir doch immer eher fixiert darauf sind, Informationen auf Augenhöhe kredenzt zu bekommen? Dieser Sache werden wir auf den Grund gehen.


1 Fahrbahnmarkierungen dienen dem Auto/Radfahrer als Orientierung. Wir wissen, dass wir 30 fahren müssen, wenn sich diese Zahl in weißer Farbe vor uns auf dem Boden erstreckt. Wir erkennen einen Radweg an dem Fahrradsymbol auf der jeweiligen Spur. Der Boden liefert also den Verkehrsteilnehmern Informationen. Besonders kreativ wurde hier die Markierung eines Radweges in Dänemark umgesetzt.

3Dieser Punkt markiert den genauen Mittelpunkt der Stadt Flensburg und ist an der Kreuzung Rathausstraße/Große Straße auf dem Boden zu finden. Im Gespräch mit einigen gebürtigen Flensburgern, stellte ich fest, das dieser vielen noch nie aufgefallen war, obgleich er täglich von Hunderten Menschen passiert wird.

So, wie viele Flensburger den Mittelpunkt der Stadt noch nie bewusst wahrgenommen haben, ist ebenso vielen nie aufgefallen, dass die in der Einkaufsstraße eingelassenen Formen auf dem Boden vor den Hinterhöfen nicht willkürlich gewählt sind, sondern die exakte Form des jeweiligen Hofes wiedergeben.

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5Stolpersteine – Hier wohnten Emil Löwenthal und Johanna Löwenthal. Ermordet in Theresienstadt und Ausschwitz. Stolpersteine sollen demjenigen, der über sie ’stolpert‘ solche Dinge wieder ins Bewusstsein rufen, den Personen ihre Geschichte und Identität geben.

2Der Pfeil mit dem Steuerrad in der Mitte ist Teil des Kapitänsweges. Eine Route, die einen an die Orte führt, die ein Kapitän seinerzeit nach dem Anlegen seines Schiffes im Flensburger Hafen besuchte. Um diese Route konzipierten wir eine Schnitzeljagd, um Interessierten und Schülergruppen einen unterhaltsamen Leitfaden für eine historische Stadterkundung an die Hand zu geben.

Auf historischen Spuren kann man auch in Husum wandern – Im wahrsten Sinne. Viele Denkmäler für den gebürtigen Husumer Theodor Storm kann man dort finden. Eines davon ist ein Gedicht des Künstlers, das sich auf dem Gehweg des Husumer Hafens entlangschlängelt.

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Manchmal, gibt uns der Boden Informationen über die jeweiligen Standorte.

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Diese müssen nicht zwangsläufig in den Boden eingearbeitet sein.

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Jedoch ist nicht immer gleich auf den ersten Blick ersichtlich, welche Informationen geliefert werden sollen und besonders für Ortskundige ist nicht immer gleich klar, welcher Informationsgehalt überbracht werden soll.

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Wohin führen diese Spuren?

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Worauf deutet der Pfeil? Liegt hier eventuell sogar gestalterische Willkür vor?


 Weiterführende Ideen und Vermittlungskontexte
Einige der Photos weisen einen eindeutig künstlerischen Aspekt auf, nicht nur in puncto Design, sondern auch in der Art und Weise der Umsetzung. Das Bodenlegerhandwerk rückt hierbei in den Vordergrund. Man kann sich nun also mit der Kunst beschäftigen, wie man eine ‚Bodeninformation‘ designt, aber auch damit, wie man sie schließlich in den Boden bringt.
Eine sehr interessante Aufgabenstellung wäre hierbei, sich zunächst einmal zu überlegen, was man noch alles als Bodeninfomation denkbar wäre. Wo würden sie platziert und warum? Wie designe ich so etwas? Welche Instanzen kümmern sich um die Genehmigung und wer setzt es schließlich um?
Beispielsweise wurde das Thema Stolpersteine schon von Schulen zum Anlass genommen, sich für weitere dieser Projekte einzusetzen. Dabei waren die Schüler in den gesamten Projektablauf involviert und so auch bei der Verlegung dabei.

Was kann einem die unterschiedliche Pflasterung sagen?
Das Thema lässt sich noch viel allgemeiner auf den Boden als solchen ausweiten. Man könnte sich in der Stadt die unterschiedliche Pflasterung ansehen und sich die Frage stellen, warum mit verschiedenen Steinen und Mustern aber auch mit verschiedenen Materialien (Holz, Metall, Tartan…) gearbeitet wurde. Verschiedene Formen und Figuren können im Pflaster abgegrenzt und erkannt werden.

Wer gestaltet wie? Und warum?
Unterflur-Hydrantendeckel, Abwassergitter, Gullideckel gehören ebenso zum typischen Stadtbild. Wenn man sich in anderen Städten oder gar Ländern bewegt, kann man festellen, dass hier ganz unterschiedlich desingt wurde. So ist in Freiburg das Stadtwappen auf jedem Gullideckel zu finden, in Odense weisen einige ein typisch griechisches Ornament auf. Auch hier drängt sich schnell die Frage nach dem Warum auf. Und: Wie würde man selbst einen Gullideckel desginen, oder ein Muster für einen Hydrantendeckel kreiren?

Was für einen ‚ungewollten‘ Informationsgehalt liefert der Boden?
Die Zigarette, der Kronkorken, das ausgelaufene Bier. Eine eindeutige Szenerie. Passt diese Szenerie auch zum jeweiligen Ort? Findet sie sich vor einem Pub oder vor einer Schule?
Man wird förmlich dazu eingeladen, den ‚Tathergang‘ zu rekonstruieren, sobald man sich näher mit den Hinterlassenschaften der Menschen auf dem Boden beschäftigt.


ein Projekt von Katharina Bluhm