Ansichtssache

Stadtansicht – Zwischen Sein und Schein

IMG_3595 Postkarten gehören zu den Verkaufsschlagern in den Touristenstädten. Sie werden gekauft und verschickt, um den daheimgebliebenen Freunden und Verwandten „Liebe Grüße“ aus dem beneidenswert schönen, idyllischen, gepflegten und erholsamen Urlausort zu schicken.

 

Doch inwieweit entsprechen die Abbildungen auf den Postkarten der realen Situation? Oder wird nur die ausschnitthafte Ansichtskartenwirklichkeit gezeigt?

Die meisten Ansichtskarten zeigen eine geschönte Wirklichkeit. Alle abgebildeten Orte werden aus einer bestimmten Perspektive zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer ganz bestimmten Intention festgehalten: Die Stadt von der bestmöglichen Seite zu zeigen.

Interessant ist es nun, die SchülerInnen auf die Diskrepanz zwischen realer und idealisierter Wirklichkeit aufmerksam zu machen. Dafür müssen die beiden Erscheinunsbilder des dargestellten Motivs verglichen werden.

segelmacherstraße

Postkartenbild der Segelmacherstraße

reale Situation in der Segelmacherstraße

reale Situation in der Segelmacherstraße

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Südermarkt Postkarte

Postkartenbild des Sündermarkts

SMarkt03

reale Situation des Südermarkts

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Vergleich und den erkannten offensichtlichen Unterschieden zwischen Postkarten- und realer Wirklichkeit, sind im Rahmen einer Vermittlungseinheit verschiedene Ansätze der Auseinandersetzung mit der Thematik denkbar und durchführbar:

  1. Auseinandersetzung mit dem Phänomen der „Realitätsnähe“ bzw. der „Realitätsferne“
    Werden wir durch diese Art der Abbildung manipuliert?
    Ist die Abbildung auf der Postkarte eine Idealisierung der realen Situation?
  1. Auseinandersetzung mit der bildnerischen Veränderung des Motivs
    Warum wurde dieser bestimmte Bildausschnitt gewählt?
    Wurden die Farben intensiviert und hat dies einen Effekt auf die Wirkung des Bildes?
  1. Auseinandersetzung mit den Bedingungen zum Zeitpunkt der Aufnahme
    Welchen Einfluss hat das Wetter/ die Personen/ die Tageszeit auf die Wirkung des Bildes?
    Warum wurde diese bestimmte Perspektive gewählt?

Am Ende der Auseinandersetzung sollen die SchülerInnen erkannt haben, dass ein Foto nicht immer nur objektiv Gegebenheiten widerspiegelt. Vielmehr können in Bildern subjektive Aspekte im Vordergrund stehen.

Mit dieser Erkenntnis sind die SchülerInnen nun in der Lage, „Anti-Postkarten“ zu gestalten.
Dafür versuchen sie das, was Postkartenfotografien ausmacht, bewusst zu negieren. Dies wird zum Bespiel durch die Wahl eines anderen Ausschnitts oder einer anderen Tages- oder Jahreszeit erreicht.

Insbesondere lässt sich ein anderer Eindruck des Motives durch extreme Veränderung des Standpunkts erzeugen. Denn gerade dadurch wird die Diskrepanz zwischen idealisierend arrangierten Postkartenansichten und der Wirklichkeit deutlich.

Zum Beispiel: Vorder- und Rückansicht eines Gebäudes

Vorderseite

Vorderseite

Rückseite

Rückseite

Durch die Verkehrung ins Gegenteil lässt sich eine „Anti-Postkarte“ erstellen.
Dafür sollen die Abbildungen auf den Postkarten, die als Vorlage dienen, durch die selbst aufgenommenen realistischeren Fotos ersetzt werden. Die Aussagen der Postkarten werden auf diese Weise negiert: Diese „Anti-Postkarten“ würden keine Touristen nach Flensburg locken.

Postkarte Hafen

Postkarte Hafen

"Anti-Postkarte" Hafen

„Anti-Postkarte“ Hafen

 

Postkarte Ansichten von Flensburg

Postkarte Ansichten von Flensburg

"Anti-Postkarte" Ansichten von Flensburg

„Anti-Postkarte“ Ansichten von Flensburg

 

Postkarte Flensburger Geschichte

Postkarte Flensburger Geschichte

"Anti-Postkarte" Flensburger Geschichte

„Anti-Postkarte“ Flensburger Geschichte

Lea Hamm