Die Stadt als Museum

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Eine „Fontaine“ à la Duchamp am Rande des Gehweges oder Yves Klein’s – Monochrom in Übergröße an einer Häuserwand.

Die Wiederentdeckung bedeutsamer und bahnbrechender Kunstwerke im Stadtbild als natürliche Lernumgebung, ist spannender als die entsprechende Vermittlung ausschließlich im schulinternen Rahmen oder mithilfe des externen Lernortes Museum.

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Analogien zu Klein’s Monochromien

Das Museum als geschlossener Raum der Kunstvermittlung bildet eine wichtige Institution für SchülerInnen und Interessierte zur Erforschung relevanter historischer oder aktueller Kunstwerke. Nicht nur die Schulung des Kunstverständnisses und das Wecken künstlerischen Interesses stehen dabei im Vordergrund. Auch zu einer Verknüpfung von beschränkten Abbildungen in Büchern und anderen Medien mit den tatsächlichen Werken in Originalgröße, ist dieser externe Lernort unerlässlich.


Doch Kunstmuseen führen mit ihrer Masse und Vielfalt an Ausstellungsstücken schnell zu einer Reizüberflutung. Dabei kann es SchülerInnen teilweise schwer fallen wesentliche Arbeiten zu selektieren und im Gedächtnis abzuspeichern. Die Konzentration auf einzelne Werke, zum Beispiel solche, die durch persönliches Fesseln oder Irritationen individuell am stärksten auffallen, hilft Gesehenes zu festigen.

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Picasso’s halb verdeckte „Femme Assise dans un Fauteuil“

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Eine neo-plastizistische Komposition à la Mondrian an einer Haustür

Als mögliche Vermittlungsform kann dafür ein Ortswechsel des externen Lernortes dienen: Die SchülerInnen werden dazu angeleitet, sich im Stadtbild umzuschauen und Kunstwerke in der alltäglichen urbanen Umgebung wiederzuentdecken. Dies können Werke sein, die zuvor im Museum registriert wurden und zu denen bereits recherchiert wurde. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Gegenstände und „Ausstellungsstücke“, die in der natürlichen Umgebung ins Auge springen, zu registrieren und anschließend nach entsprechenden ähnlichen Werken und KünstlerInnen zu forschen.

Durch diese Wiederentdeckung werden die relevanten Erkennungswerte vertieft und die allgemeine künstlerische Aufmerksamkeit und Sinneswahrnehmung geschult.

Als maßgebend in diesem Zusammenhang gilt:

  • Das Erfassen der Wahrnehmung und die Erfahrung von Transformationen des Ursprünglichen
  • Die Entstehung neuer Bedeutungszuschreibungen jeweiliger Werke durch die Inszenierung in anderen Kontexten und Umgebungen
  • Die veränderte Wirkung des Ausstellungsstückes: Verfremdungen, Irritationen, verstärkte Intensität der Wirkung

                 – Entdecken – Einfangen – Infrage stellen – Reflektieren – Interpretieren –

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Inspiriert von Christo und Jeanne Claude?

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Die Stadt als Ausstellungsraum abstrakter Kunst

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Farbliche Verwandtschaft zu Jeff Koon’s Malerei

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Mögliche Parallelität zu René Magritte’s Fenster-Blicken

Weiterführend besteht die Möglichkeit, Projekte zu entwickeln, in denen SchülerInnen eigene Arbeiten, zum Beispiel in Anlehnung an bestimmte KünstlerInnen entwickeln und bewusst in das Stadtbild einbauen. In der Folge können die Arbeiten zu ganz eigenen Inszenierungen und Ausstellungen hingeführt werden.

– Svea Bischoff