Ich sehe was, was du nicht siehst

Titelbild-Osbahr„Ich sehe was, was du nicht siehst.“ – Damit ist nicht das bekannte Kinderspiel gemeint, sondern die Menschen in unserer Gesellschaft, die im Gegensatz zur breiten Masse eine andere Realität wahrnehmen.

verrückt sein / durch die rosarote Brille sehen / benebelt sein

Wie sieht z.B. der psychisch kranke Nachbar, die verliebte Mitschülerin oder der angetrunkene Discogänger den Weg durch die Stadt?

Inklusion ist zurzeit in aller Munde, besonders im Zusammenhang mit Schule. Dieser Wandel ist nicht nur eine Herausforderung für die Lehrkräfte, sondern auch für die Schüler und Schülerinnen. Viele vergessen hierbei, dass es bei Inklusion nicht ausschließlich um die Beschulung von Menschen mit Behinderungen an Regelschulen geht.

Heterogenität als Normalität

Inklusion zielt nicht nur auf Chancengleichheit im Alltag ab, weitestgehend handelt es sich um einen Wandel innerhalb der Gesellschaft. „Heterogenität als Normalität“ heißt, dass die Unterschiedlichkeit der Menschen keinen besonderen Einfluss mehr auf unserem Alltag haben soll – dass die vielen verschiedensten Aspekte, wie Sexualität, Behinderung, Migrationshintergrund oder Religion, in unserem Alltag akzeptiert und toleriert werden.

Ich sehe was, was du nicht siehst

Das Projekt zielt darauf ab, Schülern und Schülerinnen einen neuen Blick auf ihre Mitmenschen zu eröffnen. Sie sollen sich künstlerisch mit der Wahrnehmung anderer auseinandersetzen, um sich besser in deren Lage zu versetzen.

Im Folgenden geht es darum, dass Schüler und Schülerinnen (ab 9. Klasse aufwärts) einerseits ihre Sichtweise darstellen, andererseits die Sicht und Wahrnehmung eines anderen. Um den Schülern und Schülerinnen den Zugang zu erleichtern, bieten sich Redensarten an. Die Redensarten verbildlichen bereits die Aussage.


 Beispiele

(zum Vergrößern bitte Bilder anklicken)

„Verrückt sein“

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„normale“ Sicht

"verrückte" Sicht

„verrückte“ Sicht

Genau genommen ist „verrückt sein“ keine Redensart, dennoch beschreibt es sehr bildhaft, wie ein Betroffener wahrnimmt. Im Vergleich zu Nicht-Betroffene ist seine Wahrnehmung der Realität verschoben, also verrückt.

„Durch die rosarote Brille sehen“

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„normale“ Sicht

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durch die rosarote Brille sehen

Auch in eine meist nur zeitweise veränderte Wahrnehmung kann man sich hinein versetzen. Als Beispiel dient hier das Verliebtsein. Verliebte neigen dazu vieles zu beschönigen, sind abgelenkt oder verträumt.

„Benebelt sein“

"normale" Sicht

„normale“ Sicht

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„benebelte“ Sicht

Ob Drogen- oder Alkoholkonsum, Tabletteneinnahme oder eine bestimmte psychische oder physische Situtation, so gut wie jeder kennt das Gefühl „benebelt“ zu sein.


Den Schülern und Schülerinnen sollte mit Hilfe des Projekts bewusst werden, was ihnen täglich für Menschen begegnen und für deren Lage Verständnis erlangen. Um einen Menschen so zu akzeptieren wie er ist.

Intensiviert können auch noch Selbsterfahrungen mit den Schülern und Schülerinnen gemacht werden. Mit dem Rollstuhl durch die Stadt, Blindheitserfahrung oder Anzüge, die z.B. Übergewicht oder das Rentenalter simulieren. Selbsterfahrungen wären auch für jüngere Klassenstufen denkbar.

Lynn Osbahr