Kunst mit Dänen in Dänemark

Über unsere ARTgoing Workshops in SonderborgFoto 04.12.15, 13 01 49b.jpg

Eine sehr spannende Idee, die Zusammenarbeit mehrerer (internationaler) Kunstklassen. Das war ein ausschlaggebender Punkt für die Wahl dieses Seminars für mich. Wir haben an der Kunstschule in Sonderborg einige Kurse angeboten bekommen (von deutschen und dänischen Künstlern) und arbeiteten mit Deutschen und Dänen an mehreren Projekten.
Zu sehen, wie die Künstler jenseits der Grenze arbeiten, lernen, was sie für Ideen haben und was sie daraus entwickeln, hat mich gelockt. Also bin ich mit den Leuten aus meinem Seminar und Herrn Fütterer aufgebrochen, die Kunstwelt der Dänen zu erforschen.

Zwei Workshops – Malerei oder Performance? Das war hier die Frage.

Da ich bereits ein Performance-Seminar in der Uni belegt hatte, habe ich mich für den zweiten Workshop entschieden. Dies war ein Malerei-Workshop mit einem sehr netten und ulkigen dänischen Künstler mit Namen Jess (nebenbei – ich habe mir den Künstler genauso vorgestellt, wie er aussah und aufgetreten ist!). Da er Däne ist, wurde das Seminar auf Englisch gehalten. Seine Einführung war eine Art Hinführung zum Thema. Er wollte gern Aktuelles verarbeiten und nannte uns zwei Komponenten, die wir in unseren Werken vereinen sollten – auf welche Weise auch immer. Flüchtlinge und Apokalypse.
Es schien im ersten Moment ein sehr drastisches Werk zu werden, was uns da erwarten würde, und ich habe anfangs noch nicht ganz geglaubt, dass er diese Worte ernst meinte, doch nach und nach habe ich mich in das Thema „hineingekritzelt“ und Ideen gefunden.

An unserem ersten Termin, an dem wir uns in Sonderborg getroffen haben, haben wir flüchtige Ideen für ein malerisches Endwerk skizziert, Menschen, Umrisse, Mauern und ähnliches sind entstanden, weil ich mich in das Thema – wie schon oben geschrieben – nicht so recht hineinfinden konnte. Es war sehr schwer, etwas zu zeichnen oder zu malen, bei dem man nicht recht dahinter steht und welches sich nicht so ganz greifen lässt. Es sind drei oder vier Skizzenblätter dabei herausgekommen, die Menschen mit vielen traurigen Mimiken zeigen und Stacheldraht und einfache große, Angst einflößende, nicht gegenständliche Objekte.

jess

Jess

Der Künstler hat uns oft geholfen, uns auf Dinge hin gewiesen oder Tipps gegeben, wie wir weiter arbeiten könnten. Das war sehr hilfreich. Er hatte ein paar Schablonen dabei und hat uns gezeigt, wie er in seinen Werken damit arbeitet. Dies hat zwar nicht zu meinem Endprojekt beigetragen, mich jedoch für meine private Kunst inspiriert. Morgens hat uns Jess gezeigt, wie er auf einer riesigen Rolle Papier malt, mithilfe von abstrakten Vorlagen auf einem OHP.  Daraufhin hat er uns erklärt, wie wir unsere eigenen Leinwände bauen. Ich habe noch nie eigene Leinwände gebaut, obwohl ich schon lange und viel darauf male, das war also sehr lehrreich! Wir haben die erste halbe Stunde damit zu gebracht, die Keilrahmen ineinander zu stecken und mit Leinwand zu bespannen.

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Dann sollte eigentlich das Malen losgehen. Jeder schien schon einen Plan und beim ersten Mal sein Vorhaben fertig skizziert zu haben. Also habe ich mit Kohle nur noch einmal kurz auf Leinwand gezeichnet, was mir als erstes in den Kopf kam – die tausend über das Wasser fliehenden und ertrinkenden Menschen, von denen ich einige Tage zuvor gerade wieder etwas gelesen hatte.

Und dann malte ich einfach darauf los.

Vom Zeitpunkt an, ab dem ich die Idee hatte, ging der Prozess überraschend schnell voran. Irgendwann war es da – das Portrait des Flüchtlings im Wasser. Abstrakt und sehr einsam. Noch beim Übermalen meiner Kohlevorzeichnung habe ich das Bild verändert. Ich bin nicht jemand, der seine Bilder gern plant.

Mit dem Endergebnis konnte ich gut leben. Es stellt einen Flüchtling dar, der auf dem Wasser treibt. Es ist nur das blasse Gesicht zu sehen, umrundet von abstrakten Wellen. Das gesamte Bild ist mit einem einzigen breiten Pinsel entstanden und wirkt durch die breiten abgehackten Pinselstriche und die dadurch nicht ebenen Flächen sehr aufgewühlt und dynamisch.
Ich muss sagen, ich habe (nebenbei und im Nachhinein) wirklich viel über das Thema nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es doch nicht so unsinnig war wie es zu Beginn schien. Denn spätestens jetzt, wo rechte Parteien laute Stimmen erhalten und Flüchtlinge in ihre Herkunftsländer zurückdrängen wollen, sollte klar geworden sein, was der Künstler mit der Thematik gemeint haben könnte und ich bin froh, mal nicht mit einem „alltäglichen“ Kunstthema vor einer Staffelei gestanden zu haben.

Caroline Panozzo