Performance – eine Unbekannte

Malerei oder Performance? Mit dieser Entscheidung begann unser Seminar in Sonderburg. Malerei kenne ich, kann ich, das wird wohl gut werden. Jedoch hat mich mehr das Unbekannte an Performance gereizt: Sich neu entdecken, Grenzen überschreiten und daran wachsen.

Doch kurz 20151204_111435einmal zu mir: Mein Name ist Mira und ich studiere an der Europa Universität Flensburg die Fächer Kunst und Mathematik auf Lehramt im dritten Semester.

Bei unserem ersten Treffen kamen wir uns alle wohl noch sehr komisch vor, als wir mit Gläsern oder unserem Körper vor den Anderen eine spontane Performance präsentieren sollten. Doch mit jedem weiteren Mal konnte man selbstverständlicher und selbstbewusster Handeln und ganz neue Seiten an sich entdecken. Diese spontanen Performances haben mir besonder gut gefallen, denn während man auf der selbst gewählten Bühne steht vergisst man Alle um sich herum und handelt ohne genauer darüber nachzudenken.

Da Kunst auf jeden anders wirkt wurden nach jeder Performance die Gedanken und Ideen von jedem Einzelnen gesammelt. Anfangs erschien es überflüssig, aber es wurde deutlich, dass auch unwichtig wirkende Aspekte neue Gedankenanstösse geben können.
Unser Ziel des Seminars war es eine eigene kleine Performance zu erarbeiten und diese am Ende zu präsentieren. Dabei konnten wir uns auf ein Material konzentrieren, dass uns besonders interessiert hat. Für die erste Vorführung habe ich ein riesiges Wollknäuel gewählt mit dem ich durch den Raum gelaufen bin und es langsam abgewickelt hab. Es sollte deutlich werden, dass man überall seine Spuren hinterlässt und Verbindungen untereinander schafft. Während der Performance gab es einen Moment bei dem die Wolle extrem gespannt war und schlussendlich gerissen ist. Dieser Augenblick hat mich besonders gereizt, so dass ich mich für die nächste Performance darauf konzentriert habe. Dafür mussten sich die Anderen im Kreis setzten, jedoch den Blick voneinander abgewandt. Da ich mit der Wolle immer wieder wie bei einem Spinnennetz durch den Stuhlkreis gegangen bin, verwickelte sich die Wolle und es entstanden Spannungen, die von den anderen nicht gesehen, aber wahrgenommen wurden. Somit waren alle Personen um Raum nun indirekt miteinander verbunden.20151204_111410

Für mich war diese Art der Kunst eine ganz neue Erfahrung, die mir aber besonders viel Freude bereitet hat, da meist sehr intuitiv gearbeitet wird. Die Übungen und Performances die Elke Mark sich für uns überlegt hat, haben uns sehr gut an das Thema herangeführt und zu einer eigenen Performance begleitet. Am Anfang haben wir uns wohl alle gefragt wie es uns gelingen soll eine eigene Performance auf die Beine zu stellen, doch durch den ständigen Austausch und die Möglichkeit sich selbst auszuprobieren, gelang man mit jedem Seminar dem Ziel näher.
Um einen Einblick in die spontanen Performances zu bekommen, möchte ich eine davon genauer beschreiben:

Wir stehen zu zweit vorne, jeder für sich, zum Publikum schauend. Als „Requisite“ bekommen wir von Elke Mark ein Glas Wasser in die Hand. Unsere Aufgabe: Macht was ihr möchtet, ihr dürft alles selbst entscheiden. Zuerst bemerke ich die Temperatur des Wassers; es fühlt sich kalt an. Doch trotzdem kommt mir die Assoziation von einem heißen Glas Tee. Also puste ich über das Wasser und mache es mir im Schneidersitz auf dem Boden bequem. Ich möchte eine gemütliche Situation vermitteln und den Anderen zeigen, dass ich mich wohl fühle. Neben mir plätschert Zehra mit ihren Fingern im Glas herum und spritzt es um sich auf den Boden. In diesem Moment habe ich noch gedacht, dass ihr Wasser die selbe Temperatur hat. Während der Performance war die Zeit für mich sehr schwer einzuschätzen und anfangs war immer das Gefühl die Zuschauer unterhalten zu müssen, also fing auch ich an mit den Fingern im Glas zu spielen um anschließend einen großen Schluck Wasser zu trinken. Da es bis zu diesem Moment sehr still im Raum war, wirkte das Schlucken besonders laut und intensiv. Die Geräusche nahmen insgesamt eine sehr große Rolle in den Performances ein, da im Raum immer eine erwartungsvolle Stille herrschte. Wenn wir das Gefühl hatten eine Performance beendet zu haben, setzten wir uns auf unseren Platz um anschließend die Assoziationen und Gedanken zu sammeln. Überraschenderweise hatte Zehra ein Glas mit heißem Wasser, hat es aber wie kaltes behandelt und bei mir genau umgekehrt. Solche spannenden Momente entstanden häufig nach den Performances.

Dies war nur eine von unseren vielen Performances. Manche führten wir alleine vor und andere als Gruppe. Dabei hatte jeder andere Ideen, die mir gar nicht in den Sinn gekommen wären und gezeigt haben wie verschiedenen wir alle an Dinge herangehen. Meine Sicht auf die Performancekunst ist durchweg positiv, denn durch die Arbeit mit dem eigenen Körper und dem direkten Austausch mit dem Publikum können Gedanken besonders intensiv vermittelt werden. Nach jedem Seminar hatte ich das Gefühl, dass es mich persönlich weitergebracht hat und bin somit immer mit einer positiven Einstellung wieder nach Flensburg zurück gefahren.

Mira Wagner 

 

 

 

 

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Über MiraWagner

Meine Name ist Mira, ich bin 21 Jahre alt und studiere im zweiten Semester Lehramt auf Kunst und Mathematik. Für das Kunstpraxis Seminar habe ich diesen Blog erstellt um meine Arbeit zum Thema " das Zentrum und seine Randbemerkungen" vorzustellen.